Firmenchronik der Reederei Klinger

Von Passau nach Regensburg – die Geschichte der Reederei Klinger

geschrieben von Heribert Heilmeier

Karl Klinger senior mit Tochter Margit

Wohl kaum ein Fremder, der das erste Mal nach Regensburg kommt, wird es versäumen wenigstens ein paar Schritte auf die Steinerne Brücke zu setzen, um von dort das Stadtbild und natürlich auch den weltberühmten Donaustrudel zu betrachten. Wenn er Glück hat, wird er beobachten können, wie sich gerade ein Passagierschiff mächtig gegen die starke Strömung der Donau flussaufwärts kämpft oder, wenn das Schiff von oberhalb der Brücke kommt, wie es pfeilschnell durch die Steinerne Brücke nach Osten mit hoch aufspritzender Bugwelle durch den Strudel pflügt.

Natürlich fällt dem Gast dazu gleich das alte Volkslied vom Donaustrudel ein, das erzählt von einem Fräulein Kunigund, das über den gefährlichen Strudel fuhr und dabei von einem großen Nix zu des Strudels Grund gezogen wurde.Vielleicht gefällt dem Besucher das Schauspiel der Wirbel so, dass er sich gleich zu einer Strudelrundfahrt entschließt.

Er wird sicher nicht enttäuscht sein, denn die Fahrt über den Strudel ist von Bord des Schiffes noch viel aufregender, obwohl man heute natürlich den Fahrkünsten des Kapitäns voll vertrauen kann.

Aus dem Bayerischen Wald zur Donau

Seit 1968, mit einer längeren Unterbrechung, betreibt nun die Familie Klinger diese Attraktion in Regensburg.

Die Klinger stammen eigentlich aus dem Bayerischen Wald, aus Hauzenberg. Die beiden Brüder Max (geboren 1928) und Karl Klinger (geboren 1930) zog es nach dem Schulbesuch nicht in den Wald zur Arbeit, wie ihren Vater, sondern an die Donau, zum Bayerischen Lloyd.

Max Klinger vor DS Stuttgart

Dort begannen sie ihren beruflichen Werdegang als Schiffsjungen. Dabei war dieser Job keineswegs beschaulich und ungefährlich. Der zweite Weltkrieg war voll entbrannt und hatte auch auf die Donauschiffart seine zerstörerischen Auswirkungen. Die meisten Freunde unseres Schiffahrtsmuseums wissen sicher, dass Max Klinger im Juni 1944 als Schiffsjunge auf der RUTHOF, dem heutigen Museumsdampfer, eingeteilt war und an Bord dieses Schiffes am 20. Juni bei Ersekcsanad die schreckliche Minenexplosion und den Untergang des Dampfers er – und überlebte. Fünf Tote waren damals zu beklagen.

Trotz dieser gefährlichen Erlebnisse blieben die Brüder der Schifffahrt treu. Auch nach dem Krieg arbeiteten sie zunächst beim BL. Reichtümer konnte man damals bei der Schifffahrt nicht erwerben. So verdiente z. B. Karl Klinger als Matrose im Jahr 1947 durchschnittlich 144 Reichsmark im Monat. Vielleicht auch deshalb zog es ihn für ein Jahr vom März 1949 bis Juli 1950 zur Rheinschifffahrt, zur Firma Grender in Duisburg Ruhrort und dann vom Oktober 1952 bis Oktober 1953 zum Kraftwerksbau am Jochenstein und bei Stammham am Inn, wo natürlich ebenfalls Schiffsleute gesucht waren. Dazwischen und danach fuhr er wieder wie sein Bruder Max und sein 1940 geborener Bruder Hermann beim BL.

Die weißen Schiffe rufen – Schifffahrt Klinger geht reisen

Die drei Klingerbrüder in Passau auf der MS BATAVIA

Ende der 50er Jahre ging es in Deutschland auch mit dem Fremdenverkehr wieder aufwärts, so auch in Passau.

Ab 1960 arbeiteten Hermann und Karl Klinger als Schiffsführer bei der Dreiflüsserundfahrt in Passau für die Firma Köck und Max Klinger für die Firma Vogl. Damit waren die ersten Kontakte zur Personenschifffahrt geknüpft. Offensichtlich schien Max und Karl Klinger die Fahrgastschifffahrt so erfolgversprechend, dass sie sich 1963 selbständig machten. In Heidelberg kauften sie die NECKARTAL. Von Stuttgart kam das Schiff über Land nach Passau. Mit dem neuen Namen BATAVIA fuhr es nun für die Reederei Klinger. Auch Hermann Klinger arbeitete nun in dieser Firma.

Im Jahre 1964 schlossen sich die Schifffahrtsbetriebe Klinger, Köck und Vogl zu einer Betriebsgemeinschaft für die Dreiflüsserundfahrt zusammen, die in dieser Form bis 1971 währte. Anscheinend wuchs der Geschäftsumfang so, dass sich die Reederei Klinger 1965 noch ein zweites Schiff kaufte, nämlich den NEPTUN aus Düsseldorf. Auch dieses Schiff kam auf dem Landweg via Stuttgart zur Donau.

Im gleichen Jahr fuhren die Klinger mit NEPTUN regelmäßig auch nach Kolbachmühl unterhalb von Obernzell, also bis fast zur Staatsgrenze. Dem Fahrgast wollte man schon damals die Fahrt möglichst angenehm gestalten. So kam es, dass neben den ausführlichen Informationen zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Fahrstrecke gelegentlich auch „hausgemachte“ Musik mit der „Quätschn“ (für Nichtbayern: mit der Ziehharmonika) geboten wurde. Damit die Fahrgäste eine bessere Sicht auf die Stadt hatten, wurde das vordere Oberdeck der BATAVIA umgebaut. Sogar einen ganz besonderen Gast konnten die Klinger auf einem ihrer Schiffe begrüßen: Anlässlich seines Besuches in Passau kam der erste Bundespräsident der noch jungen Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, auf ein Klingerschiff.

Auch als „Seenotrettungskreuzer“ wurden die Klingerschiffe eingesetzt und zwar als einmal der prächtige Personenraddampfer HEBE der DDSG in der Ilz länd fuhr und die Passagiere gerettet werden mussten. Ein Unglück traf auch die Reederei Klinger selbst. Im strengen Winter ´70 lag NEPTUN im Winterhafen Passau im Eis fest. Als der Eisbrecher eine Fahrrinne durch den Hafen freilegte, brach das eingefrorene Abflussrohr des NEPTUN. Binnen kürzester Zeit strömte das Wasser durch das Leck und das Schiff ging unter. Glücklicherweise gestaltete sich die Bergung nicht allzu schwierig und das rund 19 m lange Schiff konnte bald wieder gehoben werden.

Die Gebrüder Klinger ruhten sich aber nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern hielten stets Ausschau nach neuen Aufgaben. So stellten sie fest, dass es in Regensburg zwar die traditionelle Walhallaschifffahrt und seit 1965 regelmäßige Fahrten nach Passau gab, aber keine Stadtrundfahrt auf dem Wasser, ähnlich wie in Passau.

Zwar hatte Adalbert Suchy schon 1962 versucht, mit dem Schiff RENATE in Regensburg eine Personenschifffahrt zu betreiben, diese war jedoch aus verschiedenen Gründen gescheitert.

Der erste Versuch der Personenschifffahrt in Regensburg

MS Neptun in Regensburg

Nun, im Jahre 1968 wollten es die Gebrüder Klinger wissen.

Am 11. Mai starteten sie mit ihrem NEPTUN die erste Strudelrundfahrt in Regensburg. Ausgangspunkt war am Eisernen Steg, wo schon BL und Hofmeister nach dem Krieg ihre Schiffe gegen Westen abfahren ließen.

Obwohl der Regensburger Stadtanzeiger am 10. Mai 1968 einen sehr wohlwollenden Bericht zur Eröffnung brachte, dauerte es offensichtlich sehr lange bis die Regensburger und ihre Gäste das Angebot wahrnahmen und nutzten. Kurz, die Fahrgastzahlen waren in diesem ersten Jahr sehr schwach. Trotzdem wagten es die Klinger im folgenden Jahr abermals.

Anscheinend war inzwischen die Zahl der Fahrgäste angestiegen, sodass man auch in der Saison 1970 in Regensburg fahren wollte. Aber manches Mal gibt es eigenartige Zufälle. Gerade als die Brüder Klinger mit ihrem NEPTUN nach Regensburg aufbrechen wollten, verhinderte ein Hochwasser die Bergfahrt. Und so fiel die Saison 1970 in Regensburg buchstäblich ins Wasser. Anscheinend waren die Fahrgastzahlen doch nicht so überzeugend, dass man auch in den folgenden drei Jahren nicht mehr nach Regensburg kam.

1970 ließ die Betriebsgemeinschaft der Dreiflüsserundfahrt Klinger, Köck und Vogl von der Luxwerft in Mondorf am Rhein die BAYERN bauen. Das Schiff kam von Nürnberg aus auf dem Landweg zur Donau. 1971 verkauften die Klinger ihren Anteil an der BAYERN an die Reederei Köck.

Winterarbeiten

Karl Klinger senior

Ein großes Problem der Fahrgastschifffahrt war und ist natürlich, dass es überwiegend ein Saisongeschäft ist, das noch dazu in starkem Masse von der Witterung und vom Wasserstand abhängig ist. Um wenigstens außerhalb der Schifffahrtssaison etwas zu erwirtschaften, beteiligte sich die Firma Klinger an den Wartungsarbeiten im Luitpoldhafen in Regensburg von Mitte der 60er Jahre bis Anfang der 70er Jahre.

Fast jeden Herbst wurde das Hafenbecken mit dem Schwimmbagger GREIF vom Schlamm befreit. (Heutzutage gibt es wohl keinen Schlamm mehr im Hafenbecken, da seit dieser Zeit solche Reinigungsarbeiten nicht mehr beobachtet werden können.) Die vollen Klappschuten wurden dann vom Feuerlöschboot FLORIAN bzw. vom NEPTUN zum Almerweiher geschoben, wo dann die Schuten entleert wurden. Diese Arbeit war nicht ganz ungefährlich, einmal wurde dabei sogar eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg herausgebaggert.

Im Jahr 1972 stieg auch die Firma Wurm mit ihrer HOHE-NAU in die Betriebsgemeinschaft für die Dreiflüsserundfahrt in Passau ein. Obwohl die Rundfahrten in Passau sehr gefragt waren und die Fahrgastzahlen ständig stiegen, bedeutete dies wirtschaftlich gesehen nicht unbedingt eine Verbesserung, da der Gewinn jetzt auf vier Reedereien aufgeteilt werden musste.

Der zweite Anlauf nach Regensburg

MS Rataspona und MS Neptun

Nun zog es Max und Karl Klinger endgültig nach Regensburg, während Hermann Klinger in Passau bei der Reederei Wurm blieb.

Im Jahre 1973 verkauften die Klinger das Schiff BATAVIA an die Firma Wurm. Mit dem NEPTUN begannen dann Max und Karl Klinger 1974 zum zweiten Mal mit den Strudelrundfahrten in Regensburg. Als Ersatz für die BATAVIA erwarben sie im gleichen Jahr noch die RENATE der Firma Schweiger aus Kelheim.

Das Interessante daran ist, dass es das nämliche Schiff ist, mit dem A. Suchy 1962 in Regensburg die Stadtrundfahrten auf dem Wasser beginnen wollte. Das Schiff trug bei Klinger den Namen RATASPONA. Mit diesem Schiff und mit NEPTUN konnte dann die Saison 1974 in Regensburg eröffnet werden. Der Anleger war diesmal schon näher bei der Steinernen Brücke “Am Schallern” und damit bedeutend näher an den Wegen der Touristen.

Im nächsten Jahr endlich durften die Strudelschiffe bei der Wurstküche anlegen, womit wirklich ein idealer Anlegeplatz gefunden war. Offensichtlich wirkte sich dies auch auf die Fahrgastzahlen aus. Auf der NEPTUN hatten aber nur rund 60 Personen Platz. Also hielt man wieder Ausschau nach einem neuen Schiff. 1977 wurde NEPTUN verkauft, dafür erwarb man 1978 in Rüdesheim am Rhein die VATERLAND.

In Regensburg erhielt dann das Schiff den Namen CASTRA REGINA. Das Schiff soll 1960 auf einer älteren Schiffsschale aus den 30er Jahren in Mondorf aufgebaut worden sein. Von Nürnberg aus brachte die Spedition Schenker das Schiff auf der Straße nach Regensburg.

Es geht aufwärts – die Reederei Klinger entwickelt sich

3 Klingerschiffe in der Regensburger Schleuse

Auch das Fahrgebiet konnte in diesem Jahr erweitert werden. Die Kanalschleuse in Regensburg – Stadtamhof wurde im Frühjahr 1978 feierlich dem Verkehr übergeben und schon nahm die Firma Klinger die große Schleusenrundfahrt, die bis zur Naabmündung nach Mariaort führte, in ihr Programm auf.

Schon im nächsten Jahr expandierte das Unternehmen wieder. Von den Vereinigten Schifffahrtsunternehmern Kelheim wurde die Walhallaschifffahrt übernommen und das zugehörige Personenschiff WALHALLA gechartert. Diese Fahrtroute war dann auch die Lieblingsstrecke von Max Klinger.

Viele werden sich noch erinnern, wie Max vom höchsten Punkt des Schiffes, dem Steuerhaus, wie vom Olymp aus über sein „Reich“ wachte und „regierte“. Nebenbei sei hier noch erwähnt, dass Max Klinger während der Schifffahrtssaison in Regensburg auf „seiner“ RUTHOF wohnte, dem Schiff, dem er in fast tragischer Weise verbunden war. Und schließlich sei noch erwähnt, dass er von der RUTHOF ein sehr lebensnahes Modell baute und dem Schiffahrtsmuseum als Exponat schenkte.

Die Flotte wird größer

MS Rataspona und MS Castra Regina

1980 änderte sich abermals der Schiffspark bei Klinger. Die RATASPONA wurde an die Firma Brandner in Wallsee verkauft. Dafür kam 1980 die JOCHENSTEIN von Köck in Passau zu Klinger nach Regensburg. Zuerst war das Schiff nur gemietet, 1981 wurde es dann erworben und auf den Namen RATASPONA getauft. Es war zwar bedeutend älter als die erste RATASPONA, handelt es sich dabei um den 1926 in Woltersdorf bei Berlin gebauten WILLY. Es war aber bestens erhalten und hatte den Vorzug, dass damit sogar 200 Personen befördert werden durften. Zudem hatte es zwar ein nostalgisches, aber sehr ansprechendes Aussehen, was inzwischen ja wieder sehr gefragt war. Schließlich schmückten die Klinger um 1983 noch den Bug des Schiffes beidseitig mit einem großen Stadtwappen und wechselten den ursprünglich kurzen weißen Kamin hinter dem Steuerhaus gegen einen längeren schwarzen, der sogar umgeklappt werden konnte. Die Fahrgäste schätzten dieses Schiff jedenfalls sehr. Besonders gern fuhr Karl Klinger (sen.) dieses Schiff.

Fast logische Folge war dann, dass 1983 von Köck in Passau noch das „Schwesterschiff“, die 1927 in Berlin bei Winkler gebaute RHEINPFALZ gekauft wurde. Damit konnten weitere 183 Personen befördert werden. Natürlich wurde auch dieses Schiff hier umbenannt: REGENSBURG.

Am 17. März verließ es Passau und kam dann nach einer Übernachtung in Straubing am 18. März 1984, gesteuert von Kapitän Karl Klinger jun., in vollem Flaggenschmuck in Regensburg an. Gleich wollte man wissen, ob es auch ohne Schwierigkeiten durch die Steinerne Brücke käme. Also fuhr man ohne Aufenthalt weiter zur Steinernen Brücke, zum Test. Beim ersten Anlauf glückte es noch nicht so recht, aber als sich die sechs „Fahrgäste“ (Begleitmannschaft vom Arbeitskreis Schifffahrtsmuseum) zum Heck des Schiffes begeben hatten und somit die Schiffsschraube genügend Wasser hatte, zog die RHEINPFALZ ohne Probleme durch die Steinerne Brücke stromaufwärts.

Eine Zäsur

Max Klinger

Im gleichen Jahr traf das Unternehmen Klinger ein harter Schicksalsschlag. Der Mitbegründer der Reederei, Karl Klinger, starb erst 54 jährig, nach schwerer Krankheit am 21. Oktober 1984. Seine beiden Söhne Karl und Klaus arbeiteten schon einige Zeit als Schiffsführer in der Reederei mit. Ab 1985 führten Max und Karl Klinger jun. die Firma.

Alter Ticketschalter an der Donau

Die Strudelrundfahrten und die Walhallafahrt waren nun schon längst in Regensburg eine feste Größe für den Fremdenverkehr und sehr geschätzt. Unangenehm für die Reederei war nur, dass die WALHALLA nach wie vor von den Kelheimern gechartert war. Als sich 1986 die Gelegenheit bot, die HOHE-NAU von Wurm in Passau zu kaufen, nützte man dies und gab die WALHALLA nach Kelheim zurück. Mit der HOHE-NAU kam das Schiff mit dem wohl abenteuerlichsten Lebensläufe zu Klinger.

Am 22. und 23. März 1986 fuhr es von Passau nach Regensburg, mit einer Übernachtung in Deggendorf. Als es den Bogenberg passierte, musste es sich durch ein großes Schneegestöber kämpfen, trotzdem erreichte es ohne Zwischenfälle sein neues Einsatzgebiet. Jetzt konnte man alle Fahrstrecken mit eigenen Schiffen bedienen. Die HOHE-NAU war meist mit Max Klinger auf der Walhallafahrt unterwegs. So lief der Betrieb bis auf die üblichen witterungs- und wasserstandsbedingten Probleme, die jeder Schiffer kennt, durchwegs recht erfreulich.

Aber wieder traf das Unternehmen ein harter Schicksalsschlag. Am 29. Januar 1988 starb nach langer schwerer Krankheit der zweite Mitbegründer der Reederei, Max Klinger.

Als 1988 die Umgestaltung der Uferpromenade zwischen Wurstküche und Eiserner Brücke durchgeführt wurde, dachte die Stadt auch an die Firma Klinger. Zwei neue Anleger wurden unterhalb der Wurstküche gebaut. Außerdem konnte der Fahrkartenverkauf aus dem eigenen kleinen, stets vom Hochwasser bedrohten Häuschen am Leinpfad am Ufer in den Pavillon an der Thundorfer Straße umziehen. Ab diesem Zeitpunkt beginnen und enden alle Fahrten der Reederei Klinger, also auch die zur Walhalla, bei der Wurstküche.

Das neue Schiff JOHANNES KEPLER wird in die Flotte aufgenommen

1988 kaufte die „Schiffseignergesellschaft Johannes Kepler GbR“, an der auch die Firma Klinger beteiligt ist, von der Firma Schweiger in Kelheim die RENATE. Sie wird seitdem von Klinger bereedert und erhielt den Namen JOHANNES KEPLER. Damit dieses Schiff gelegentlich in sein altes Fahrgebiet zurückkommt, nahm Klinger 1989 die Sonntagsfahrten nach Riedenburg im Altmühltal ins Programm. Eine Konkurrenzsituation ergab sich ab 1989 bei der Walhallaschifffahrt, als die Firma Wurm, die ursprünglich nur an Sonntagen die Linie von Regensburg nach Passau bediente, mit der JOHANNA die Fahrt zur Walhalla und zur Schleuse in Geisling ins Programm aufnahm.

Nur eine Episode waren in den Jahren 1990 und 1991 die „Zoll frei“ – Fahrten mit JOHANNES KEPLER von Passau nach Engelhartszell. Der Aufwand stand wohl nicht so recht im Verhältnis zum Gewinn, war doch die Passauer Reederei Wurm und Köck zu dominierend in diesem Geschäft. Außerdem fehlte dadurch das große Schiff häufig in Regensburg.

Strudelschiff MS JOHANNES KEPLER

Für den normalen Betrieb verfügte nun die Firma Klinger über mehr als ausreichenden Schiffsraum. Natürlich wurden und werden die Schiffe regelmäßig gewartet und auf den aktuellen technischen Stand gebracht. Dazu nützt man vor allem die Zeiten außerhalb der Hauptsaison.

In diesem Zusammenhang ist auch der Kauf eines Schiffes zu sehen, das nie einen Passagier befördern wird. Es ist das 1991 von der Kiesbaggerei Almer gekaufte Motorgüterschiff DONAU. Anfangs wurde es als Anlegeponton genutzt. Später wollte es ein Gastwirt kaufen, um darauf einen Freisitz zu eröffnen. Nachdem diese Pläne aber nicht verwirklicht werden konnten, wurde das Schiff in den letzten Jahren von der Reederei Klinger zum Werkstattschiff umgebaut.

Natürlich können nicht alle Reparaturen allein von der Klinger Mannschaft ausgeführt werden. Oft sind dabei auch Werftaufenthalte notwendig. Einige dieser Werkstattfahrten waren etwas ungewöhnlich. Als 1993 die HOHE-NAU neue Bodenbleche erhalten sollte und der Motor überholt werden musste, kam das günstigste Angebot von der Werft in Bratislava. So kam die HOHE-NAU für eine kurze Zeit in die Slowakei.

Ähnlich war die Situation im Herbst 1996. Mit der HOHE-NAU wollte man auch die Strudelrundfahrten bedienen. Also sollte das Schiff einen Bugstrahler erhalten und das Oberdeck musste entsprechend umgestaltet werden. Diesmal kam eine Werft in Holland zum Zuge. Für die Begleitmannschaft war dies eine der interessantesten Reisen. Nur das Wetter war nicht besonders, aber es sollte ja keine Vergnügungsreise sein.

1996 erhielt dann die JOHANNES KEPLER ebenfalls einen Bugstrahler, diesmal aber im „nahen“ Linz. Selbst das Wechseln der Schiffsschrauben, früher eine der leichtesten „Übungen“ auf der Regensburger Hitzlerwerft, ist heute nicht mehr so einfach, nachdem die Werft im Jahre 1994 geschlossen wurde.

Im Jahre 1994 wurde die ursprüngliche Firmenbezeichnung „Regensburger Personenschifffahrt Gebr. Klinger“ in „Regensburger Personenschifffahrt Klinger GmbH“ geändert. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Sitz der Firma bis um 1985 noch immer in Passau war, zuerst in Grubweg, dann in Salzweg, obwohl die Reederei seit 1974 fast ausschließlich nur noch in Regensburg tätig ist. Erst dann wurde der Firmensitz für zwei Jahre nach Tegernheim bei Regensburg verlegt. Endlich seit 1988 residiert die Reederei in Regensburg in der Werftstraße.

Nicht ungelegen kam es der Reederei Klinger, als 1995 die Firma Frenzel in Pirna an der Elbe Interesse an der CASTRA REGINA zeigte und das Schiff charterte. Interessant dabei ist, dass auch dieses Schiff mit eigener Kraft vom Klinger Kapitän Mario Brandl quer durch Deutschland von der Donau zur Elbe überführt wurde. Bedauerlicher Weise trennte man sich von den beiden bei den Fahrgästen beliebten Nostalgieschiffen, denn leider hatten sie nicht die nun benötigten Kapazitäten.

1997 wurde die RATASPONA nach Holland verkauft und fuhr mit eigener Kraft dorthin. Im neuen Fahrgebiet heißt sie nun KLIFRAK. 1998 verließ auch die REGENSBURG unsere Stadt in ihre ursprüngliche Heimat Berlin und fährt dort nach gründlichem Umbau jetzt mit dem neuen stolzen Namen FRIDERICUS REX für die Havel Dampfschifffahrt in Potsdam. Als Ersatz kaufte Klinger 1998 bei Köck in Passau die ehemalige ENGELHARTSZELL mit der Kapazität von 300 Personen. In Regensburg traf sie im September ein und trägt hier den Namen RATASPONA.

So verfügt die Reederei Klinger bis Anfang 2003 in Regensburg über die drei größeren Schiffe: RATASPONA, HOHE – NAU und JOHANNES KEPLER. Die CASTRA REGINA, die die letzten Jahre noch immer auf der Elbe im Einsatz war, wurde 2002 nach Tschechien verkauft.

Vom Rhein zur Donau: die MS REGENSBURG

MS REGENSBURG

Im Juli 2003 kam die MS REGENSBURG nach Regensburg. Dabei handelt es sich um die ehemalige SANKT NIKOLAUS der Reederei Rössler in Assmannshausen. 1985 wurde das Schiff unter der Baunummer 95 auf der Luxwerft in Monheim/Rhein für die Reederei Service de Navigation de L´Entente de la Moselle Luxembourgeoise gebaut. Die Tochter des Großherzogs von Luxemburg, Prinzessin Marie Astrid, tauft es auf den Namen PRINCESSE MARIE ASTRID.

Für die Europäische Geschichte ist dieses Schiff nicht ganz unbedeutend, denn, kaum in Dienst gestellt, wurde auf ihm am 14. Juni 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet. 1992 wurde es nach Assmannshausen verkauft. Das Schiff ist für 350 Fahrgäste zugelassen und ergänzt so sehr gut die Klingersche Flotte. Die feierliche Taufe war am 1. August 2003 durch Edelgard Schaidinger, der Gattin der Regensburger Oberbürgermeisters. Die historische HOHE NAU kam darauf kaum mehr zum Einsatz. Schließlich trat sie am 11. November 2005 die Reise mit Umweg über Kitzingen, wo sie noch ein zweites Schiff abholte, zu ihrem neuen Besitzer nach Ungarn in ihre alte Heimat an.

Fahrstrecken, die heute regelmäßig bedient werden, sind vor allem die traditionelle Strudelrundfahrt und die Fahrt zur Walhalla. Seit 2003 macht das Walhallaschiff an bestimmten Tagen sogar einen Abstecher in die Häfen. Sehr bedauerlich ist allerdings, dass die Schiffe der Stadtrundfahrt wegen ihrer Dimensionen kaum mehr stromauf durch die Steinerne Brücke bis zum Herzogpark fahren. So kommen die Fahrgäste leider nicht mehr in den Genuss einer Fahrt über den „gefährlichen“ Strudel.

Ergänzt werden diese klassischen Angebote noch durch die beliebten Schlachtschüsselfahrten nach Lohstadt und die Fahrten ins Altmühltal nach Riedenburg. 1998 wurden die Fahrten durch die Schleuse Regensburg nach Mariaort eingestellt, da durch den anwachsenden Schiffsverkehr auf dem Donau – Main – Kanal und der dadurch längeren Wartezeiten an der Schleuse der Fahrplan selten eingehalten werden konnte.

Gelegentlich werden im Sommer auch abendliche Tanzfahrten angeboten. Besonders gute Resonanz finden in der Vorweihnachtszeit die sogenannten Christkindlfahrten. Dass die Schiffe der Reederei Klinger natürlich auch für alle möglichen Anlässe gechartert werden, ist selbstverständlich, besonders sind hier Hochzeiten und Geburtstagsfeiern zu erwähnen. Neuerdings bietet die Firma Klinger erfolgreich den Touristen sogar Gesamtangebote, die weit über eine Schifffahrt hinausgehen.

Die Reederei Klinger und das Schiffahrtsmuseum

Donau Schiffahrts Museum

Eng verbunden ist die Reederei auch mit dem Schiffahrts – Museum Regensburg. Nicht vergessen sollten wir, dass alle Mitglieder der Familie und der Reederei Klinger unser Museum von Anfang an nautisch, sachlich, aber auch materiell voll unterstützten und auch heute noch unterstützen.

Besonders sei hier das großzügige Entgegenkommen der Reederei bei Vereinsfahrten oder Vereinsversammlungen auf den Klingerschiffen und den traditionell sich anschließenden Rundfahrten erwähnt. Ein besonderer Service für die Fahrgäste der Firma Klinger (und eine sehr gute Werbung für das Schifffahrtsmuseum) ist, dass bei den stets ausführlichen Informationen zu den Sehenswürdigkeiten an der Fahrstrecke immer besonders auf das Schiffahrtsmuseum hingewiesen wird und, dass damals, als der Liegeplatz der Museumsschiffe noch am Unteren Wöhrd an der Werftstraße war, die Rundfahrtschiffe der Reederei sogar planmäßig an der RUTHOF anlegten und dadurch unseren Besuchern ein gutes Stück Weg ersparten. Dies war eine Idee von Karl Klinger sen., die er fast umgehend nach Eröffnung unseres Museums verwirklichte.

Klinger wird fürstlich

Als 2012 ein Mitbewerber aus Passau mit zwei neuen Fahrgastschiffen in Regensburg verstärkt in die Personenschifffahrt einstieg, wollte Klinger natürlich diesem nicht allein das Feld überlassen. Nach reiflicher Überlegung kam man zum Entschluss, ebenfalls ein neues Personenschiff bauen zu lassen, der erste Neubau in der Firmengeschichte.

Das günstigste Angebot kam von der Bolle-Werft in Derben, in der Nähe von Magdeburg. Auch eine prominente Namensgeberin konnte gewonnen werden: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Das neue Schiff sollte ähnlich aussehen wie die Potsdamer SANSSOUCI aus der Bolle-Werft, allerdings etwas kleiner werden. Die Arbeiten auf der Werft begannen Mitte 2012. Im Januar 2013 war das Schiff fertig und konnte von der Klingercrew nach Regensburg überführt  werden.

MS Fürstin Gloria in Konstanz

Am 11. Februar 2013 war die Abfahrt von der Werft. Wegen seiner Dimensionen konnte es leider nicht auf dem kürzeren Weg von der Elbe über die westdeutschen Kanäle zum Rhein und damit zur Donau gebracht werden, sondern musste über die Nordsee. Etwa 1.700 km lang war nun der Weg. Zuerst ging es natürlich Elbe talwärts, vorbei an Hamburg nach Cuxhaven. Weiter sollte die Reise über die Nordsee entlang der Nordfriesischen Inseln bis zur Emsmündung nach Delfzijl führen. Vorher aber musste das Schiff erst seetüchtig gemacht werden. Dazu wurden alle Fenster des Hauptdecks zur Sicherheit gegen Wellenschlag mit Brettern verschalt. Natürlich hat dann auch eine eigene seefahrtskundige Crew die Fahrt über das Meer geleitet. Delfzijl erreichte man am 17. Februar. Der weitere Weg führte über Kanäle zum Ijsselmeer und Markermeer und schließlich nach Amsterdam. Damit war man schon sehr nahe dem Rheingebiet. Auf dem Rhein überschritt man die deutsche Grenze bei Lobith am 19. Februar. Die Orte, an denen dann das Schiff vorbeifuhr, sind wohlbekannt: Duisburg, Düsseldorf, Köln, Koblenz, wo Kaiser Wilhelm zum neuen Schiff herüber grüßte, genauso wie später die Loreley, dann Bingen und schließlich Mainz. Damit hatte das Schiff die Mainmündung erreicht. Am 24. Februar begann die Schleusenrallye mit insgesamt 60 Schleusen über Main und Main-Donau-Kanal. Allerdings verzögerte sich hier die Reise bei Schweinfurt, denn die Schleusenwärter waren in den Streik getreten. Die letzte Etappe von Riedenburg nach Regensburg durften dann am 4. März 2013 die Inhaber der Reederei und deren Freunde schon als Mitreisende genießen.

Eine wunderbare Reise, ohne dass irgendein Unglück geschah, war zu Ende gegangen. Nur im Sommer wäre sie natürlich noch schöner gewesen.

Taufe der MS Fürstin Gloria

Die hinzugekommenen „Passagiere“ bekamen nun die ersten Eindrücke vom Neubau. Ein wunderbares Schiff für die Fahrgäste. Viele Details der Gestaltung sind dem Jugendstil nachempfunden. Stufenlos kommt man vom Eingang in den großen Fahrgastraum. Es gibt keine feste Bestuhlung und keine festen Tische. Diese werden jeweils dem Anlass entsprechend aufgestellt. Die Fenster reichen vom Fußboden bis zur Decke. Dadurch hat man einen fast ungehinderten Ausblick auf die Flusslandschaft. Besonders erfreulich für Gehbehinderte ist, dass man auf das Sonnendeck auch mit Hilfe eines Aufzugs kommen kann. Das Schiff hat eine Länge von 45,00 m, eine Breite von 10,60 m, einen Tiefgang von 1,20 m und eine Höhe von 5,20 m. Zugelassen ist das Schiff für 250 Personen. Angetrieben wird es von zwei Schottel Ruderpropeller. Zwei Deutz Diesel liefern die Energie von je 272 kW. Dass das Schiff auch eine großzügige Küche hat, bemerken die Fahrgäste nur indirekt.

Nach der Ankunft in Regensburg folgten noch Restarbeiten zur Optimierung des Schiffes. Das große Ereignis war natürlich die feierliche Schiffstaufe am 12. April 2013. Unter Anteilnahme von vielen Gästen und Zuschauern taufe die Namensgeberin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis das Schiff auf den Namen FÜRSTIN GLORIA.

Inzwischen ist die FÜRSTIN GLORIA erfolgreich bei den unterschiedlichsten Themenfahrten eingesetzt und erfreut sich einer großen Beliebtheit bei den Fahrgästen. Dass man an Bord auch standesamtlich heiraten kann, sei nur am Rande erwähnt.

Schon wieder ein neues Schiff

Jungfernfahrt Personenschifffahrt Klinger Siebnerin historisches Salzlastschiff. Foto: altrofoto.de

Anfang 2014 ging das Gerücht, dass die SIEBNERIN, ein einem alten Salzschiff nachempfundenes Fahrgastschiff, vom Linzer Verein Donauschiffer an den Passauer Mitbewerber verkauft werden solle. Tatsächlich erwarb sie aber im Oktober 2014 die Familie Erbguth und brachte sie nach Regensburg. Hier ergänzt sie nun die Flotte der Regensburger Personenschifffahrt Klinger. Die SIEBNERIN sieht aus wie ein altes Salzschiff aus Holz, hat aber einen Rumpf aus Metall, der äußerst geschickt mit Holzplanken verkleidet ist. Auch die Aufbauten sind aus Holz. Natürlich ist das Schiff entsprechend den aktuellen technischen Vorschriften ausgerüstet. Besonders auffallend sind die beiden Ruderbäume am Heck, die aber natürlich nur zu Dekoration vorhanden sind.

Bei schönem Wetter ist die Fahrt auf dem offenem Schiff ein Genuss. Bei überraschend schlechtem Wetter können Planen zum Schutz der Fahrgäste ausgerollt werden. Gebaut wurde die SIEBNERIN 2006 vom Werft- und Servicezentrum Mittelrhein in Remagen – Oberwinter. Länge 36,63 m; Breite 5,54 m; 150 Personen; 243 kW, IVECO; Bugstrahler 22 kW. Die Beplankung wurde in Landshaag montiert. Der Name diese Schiffstyps rührt wohl daher, dass man zu Zeiten der Ruderschifffahrt die Schiffe nach der Anzahl der für die Schiffsbreite verwendeten Bodenbretter benannte.

Eine neue Fahrstrecke im Programm

Seit 2014 hat Klinger nicht nur die SIEBNERIN sondern auch eine neue Fahrstrecke im Programm. Nach dem immer wieder angefragt wurde, ob man nicht von Regensburg nach Weltenburg fahren könne, wurde diese Route ins Programm aufgenommen. Mit dem Klinger-Schiff fährt man von Regensburg bis Kelheim und hat dann Anschluss zu einem Kelheimer Schiff (nur diese dürfen den Donaudurchbruch befahren) das nach Weltenburg fährt. Im Sommer wird diese Fahrt jeweils am Dienstag und am Samstag angeboten.

Zurückschauend kann man feststellen, dass die Familie Klinger, beginnend von kleinsten Anfängen, durch geschickten An- und Verkauf von Schiffen jetzt eine beachtliche Größe erreicht hat.

Die Firma Klinger gab sich nie mit dem Erreichten zufrieden, sondern hielt stets Ausschau nach neuen Möglichkeiten. Lassen wir uns uns überraschen, welche Pläne die Firma Klinger für die Zukunft hat.

 

Zum Schluss möchte ich mich bei allen bedanken, die mich mit Informationen und Bildmaterial unterstützt haben, vor allem bei Herrn Karl Klinger jun., Frau Susanne Völkl und natürlich bei unserem Edi Sack, der fast schon zur Reederei Klinger gehört.